Presseauswertung zum 108. Abendspaziergang

Am 18. Januar hielt nun endlich auch Bundespräsident Gauck seine Abschiedsrede.

Mit ihm geht, neben Wulff, einer der schwächsten Bundespräsidenten unseres Landes in den unverdienten Ruhestand.

Warum dieses harte Urteil über einen, auf den ersten Blick doch eher nur etwas vertrottelt wirkenden alten Ex-Pfarrer, der sich persönlich sicher als Vertreter des Guten sieht?

Es soll hier auch gar nicht um persönliche Sympathie oder Antipathie gehen.

Aber für Gauck kann das Gegenteil des Wahlspruches seines ebenfalls bibelfesten Vor-Vor-Vorgängers Johannes Rau gelten, also nicht: „Versöhnen statt spalten“ – sondern „Spalten statt versöhnen“.

So hat Gauck z.B. nie versucht, wie Richard v. Weizsäcker, ein Anwalt des Volkes gegen ein eigenständiges Parteienkartell zu sein.

Nur das würde aber ein Amt, wie das des Bundespräsidenten rechtfertigen, einer allgemein respektierten gesellschaftlichen Person, die über den verschiedenen Einzelinteressen ausgleichend und moderierend den Zusammenhalt einer Nation zum alleinigen Ziel hat.

An dieser Aufgabe ist Gauck, der stets treuer Vasall der Merkel-Administration war, krachend gescheitert. Er wollte Deutschlands oberster Pädagoge und Theologe sein, doch das Volk als Souverän braucht weder einen Oberlehrer und Obermoralisten, noch absolute Herrscher.

Auch sein mutmaßlicher Nachfolger, der von Parteien bereits ausgekungelte Ex-Außenminister Steinmeier, ist Fleisch vom Fleische des Parteienkartells und so ist auch weiterhin keine Verbesserung des Grundproblems in Sicht.

Angesichts dieser Problematik kann man Menschen verstehen, die sich in eine längst vergangene Zeit zurück wünschen, auch wenn das auf den ersten Blick skurril anmutet.

Der 18. Januar bietet dafür eine gute Gelegenheit: An einem 18. Januar 1701 krönte sich der Brandenburgische Kurfürst als Friedrich I. in Königsberg zum ersten König in Preußen. Das gilt als die Geburtsstunde des Preußischen Königreichs.

Wohl nicht zufällig wählte man dann 170 Jahre später, 1871 wieder einen 18. Januar zur Krönung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser des 2. Deutschen Reiches.

Nun wollen wir hier nicht in schlichten „Früher-war-alles-besser“-Träumen versinken. Natürlich war Früher auch nicht alles besser.

Aber sich z.B. einen Staatspräsidenten zu wünschen, der sich als „erster Diener seines Volkes“ versteht, das ist keine Träumerei, das ist unser Recht, denn einen Präsidenten der uns ständig von oben herab belehren will, brauchen wir nicht. Das hatte der alten Fritz (Friedrich der II., Enkel von o.g. Friedrich dem I.) bereits gut verstanden.

Heute in unserer „demokratisch“ genannten Zeit fehlt solche einigende Persönlichkeit schmerzlich.

Deshalb hier noch mal der leicht abgewandelte Spruch zum Reiterstandbild Friedrich II. in Berlin, Unter den Linden:

„Alter Fritz steig du hernieder und regier uns Preußen wieder.
Laß in diesen schweren Zeiten, Angela Merkel weiter reiten.“